Let It Beep

Der ehemalige Apple-Sounddesigner Jim Reekes erklärt in einem kurzen, melancholisch anmutenden Video die kuriosen und engen Verflechtungen von Computer-Tönen, Beatles, Anwälten und verpaßten Chancen, reich zu werden. Daß der inzwischen standardmäßig zurückgekehrte und ikonische Mac-Startton an den überwältigenden E-Dur-Akkord erinnert, der das Beatles-Meisterwerk »A Day in the Life« beschließt, erscheint vor diesem Hintergrund geradezu versöhnend.Mehr

Auf dem Weg ins Vollidiotentum

Felix Heidenreich heute in der NZZ: Erst die Handwerkszünfte bringen echtes Kunsthandwerk hervor, die wissenschaftlichen Institutionen Exzellenz. Wer etwas gut können will, kann nicht alles können. Aber irgendwann dreht sich das Verhältnis: In der berühmten Stecknadelfabrik findet sich, so [Adam] Smith, womöglich niemand mehr, der in der Lage wäre, allein eine Stecknadel fertigzustellen. Der zerhackte…Mehr

Meister der Überbevölkerung

Aus einer Rezension des Literaturkritikers Evan Kindley lerne ich: Balzac hat die wiederkehrende Figur [character] nicht erfunden, aber er hat sie weiter geführt als jeder Schriftsteller vor oder nach ihm. Man schätzt, daß es 2.472 verschiedene Charaktere in Die menschliche Komödie gibt, von denen Hunderte in mehr als einem Roman auftauchen. In seinem wunderbaren neuen…Mehr

Platform Overload

Die Ankündigung von Instagram, künftig »Live Rooms« anzubieten, eine Funktion, »die es Ihnen ermöglicht, mit bis zu drei Personen auf Instagram live zu gehen«, kommentierte Aaron Bearden per Twitter mit den Worten: Der Überwachungskapitalismus frißt seine überforderten Kinder.Mehr

Digitale Selbstreflexion

Betrachte ich Social-Media-Accounts (auch meine eigenen), lese ich persönliche Blogs (auch meinen eigenen), bin ich mir nie sicher, was mehr wiegt, was schlimmer ist: Aufmerksamkeit zu erhaschen oder Bedeutsamkeit vorzutäuschen?Mehr

Februar 2021 – Meine Leseliste

[1]»›Das ist Messis kolossaler Vertrag, der Barcelona ruiniert.‹« Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2021, https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/lionel-messis-gehalt-und-vertrag-beim-fc-barcelona-veroeffentlicht-17174430.html. [2]Ben Smith. »Survey Says: Never Tweet.« The New York Times, Jan. 31, 2021, https://www.nytimes.com/2021/01/31/business/media/journalists-twitter.html. [3]Alison Flood. »Dante’s descendant seeks to overturn poet’s 1302 corruption conviction.« The Guardian, 1 Feb 2021, https://www.theguardian.com/books/2021/feb/01/dante-descendant-seeks-to-overturn-poets-1302-corruption-conviction. [4]John Voorhees. »Text Case Adds Customizable Flows: User-Created, Multi-Step Text Transformation.«…Mehr

Das Problem der Armut

In einer Rezension stoischer Literatur stoße ich auf eine Anekdote – genauer: eine χρεία – aus dem Leben des damals zweiunddreißigjährigen Ulysses S. Grant, die Ryan Holidays 2019 erschienenem Buch Stillness Is the Key entnommen ist: Vor dem Bürgerkrieg erlebte Grant eine lange Verkettung von Rückschlägen und finanziellen Schwierigkeiten. Er geriet nach St. Louis und…Mehr

The Lyrics: 1956 to the Present

Für rund € 80 bekommt man schon bald die erste Autobiographie Paul McCartneys, herausgegeben und mit einer Einleitung versehen vom 1951 geborenen nordirischen Dichter Paul Muldoon. Anhand von 154 ausgewählten Songs, die über einen Zeitraum von 65 Jahren entstanden sind, rekonstruiert der Ex-Beatle sein Leben. Ergänzt werden sie von Entwürfen, Briefen und Photos aus McCartneys…Mehr

Die menschlichen Jahreszeiten

An John Keats’ 200. Todestag Four seasons fill the measure of the year;There are four seasons in the mind of man.He has his lusty Spring, when fancy clearTakes in all beauty with an easy span.He has his Summer, when luxuriouslySpring’s honeyed cud of youthful thought he lovesTo ruminate, and by such dreaming nighHis nearest unto…Mehr

Die kulinarischen Kosten des Brexits

In einem kritischen Beitrag für den Guardian weist Elton John auf die Auswirkungen des Brexits auf Künstler des Vereinigten Königreichs hin, denen bei Auftritten in der EU fortan eine bürokratische und finanzielle tour de force bevorstehe. Prägende Erfahrungen, wie sie Elton John in den sechziger Jahren auf dem Kontinent gemacht habe, blieben nicht-privilegierten britischen Musikern…Mehr

Januar 2021 – Meine Leseliste

[1]Ben Beaumont-Thomas. »Eugene Wright, bassist with classic Dave Brubeck Quartet, dies aged 97.« The Guardian, 1 Jan 2021, https://www.theguardian.com/music/2021/jan/01/eugene-wright-bassist-classic-dave-brubeck-quartet-dies-aged-97. [2]Angela Giuffrida. »Italy begins year of Dante anniversary events with virtual Uffizi exhibition.« The Guardian, 1 Jan 2021, https://www.theguardian.com/world/2021/jan/01/italy-year-long-celebration-dante-700-anniversary-drawings. [3]Jürgen Kaube. »Halbgötterdämmerung.« Rezension zu Studien zu Hölderlin, von Werner Hamacher. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.01.2021, https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/werner-hamacher-ueber-hoelderlin-17093847.html. [4]Neelesh…Mehr

Die Tricks der Demagogen

Zufällig stoße ich bei YouTube auf den Teil eines Interviews mit dem Sozialphilosophen Max Horkheimer (1895-1973), in welchem dieser die folgenden demagogischen Charakteristika aufzählt: erheblicher Superlativ-Gebrauch; Einteilung in »die Guten« (das Wir) und »die Schlechten« (die Anderen); Fokussierung auf ein absolutes Ziel, das absolut gut ist; völliger Ausschluß des Zweifels; Verbrüderung mit Zuhörern (»Ich bin…Mehr

Wovon träumen Schützen?

Vom Frieden, vom Ende des Krieges – davon träumen Schützen, zumindest erträumt sich dies der namenlose Fallschirmspringer in Pink Floyds 1983 veröffentlichtem Song »The Gunner’s Dream«, den Roger Waters nun als vierte »Quarantäne-Version« eines Pink-Floyd-Songs vorlegt. Die lose, noch überschaubare Serie der Lockdown Sessions begann am 17. Mai 2020 mit dem Song »Mother«, der 1979…Mehr

Europatour [Extended Version]

Wie schon in der vergangenen Silvesternacht blickte ich auch in dieser auf die Zahlen der Zones-App, die im Vergleich zu denen des Vorjahres erneut gestiegen waren. 4.253 Kilometer habe ich per pedes im (ersten) Corona-Jahr zurückgelegt (das sind gut 11,6 Kilometer pro Tag), und damit 971 Kilometer mehr als noch 2019! Wieder öffnete ich die…Mehr

2020 – Mein Bücherjahr [Extended Version]

Am letzten Tag des Jahres werfe ich – wie schon 2012, 2017, 2018 und 2019 – einen chronologisch ausgerichteten Blick zurück auf die abwechslungs- und lehrreichen Bücher, die ich in den vergangenen zwölf Monaten lesen konnte. In diesem Jahr jedoch soll meine Leseliste eine extended version darstellen, sprich: nicht nur sind Monographien aufgeführt (die zur…Mehr

Corona prae eventum

Ich stoße in Alfred Brendels FAZ-Gastbeitrag über Goethe und die Musik auf den Namen der Sopranistin Corona Schröter (1751-1802), die neben anderen Sängerinnen auf Goethe eine ›unübertreffliche Wirkung‹ ausgeübt haben soll. Daß ihr Name dem heutigen Leser ins Auge springt, liegt in der simplen Tatsache begründet, daß eine Pandemie gleichen Namens ungleich größere Auswirkungen verursacht…Mehr

Sloterdijks Berufe

Opiniater / Facharzt für Erkrankungen des Meinungsapparats Fachmann für nicht-periodische Kachelsysteme Skorpionmelker Anomalist Brainfood-Berater Licht-Konservator Komponist für Veterinärmusik Empathieplünderer Oligarchenseelsorger Schrumpfungskommissionsberater Kryptozoologe: Experte für nie festgestellte Tiere Lawn doctor an Bord eines Kreuzfahrtschiffs Implantationssoziologe Gratis-Dienste-Berater (hilft Ihnen, alles zu bekommen, ohne je in die eigene Tasche zu greifen) Erdbeweger (steirisch) Paläo-Ozeanograph / Jeder Beruf ist…Mehr

Time Games

Das Rolling Stone Magazine wiederveröffentlicht anläßlich John Lennons vierzigstem Todestag einen Nachruf aus seiner Ausgabe vom 22. Januar 1981, geschrieben vom damals fünfunddreißigjährigen Journalisten und Schriftsteller Scott Spencer. Darin findet sich – neben vielen Plattitüden – der elementar philosophische Gedanke des Sterbenlernens, der in Zeiten einer Pandemie ins Bewußtsein der Menschen zurückzukehren im Begriff ist:…Mehr

Das Ende der Schönheit

Finde in Sloterdijks Notizen unter dem Datum des 29. September 2011 die triviale, aber erstaunliche Feststellung: »Casanova soll gesagt haben, auch die schönste Frau ist an den Füßen zu Ende.« Diese Äußerung ist in ihrer Resignation zugleich tröstlich als auch lächerlich. Tröstlich, weil einem die engen Grenzen der physischen Attraktivität leger vor Augen geführt werden;…Mehr

Der Promischtland

Die New York Times berichtet, daß die Nachfrage der amerikanischen Leser nach Barack Obamas erstem Teil seiner Memoiren, A Promised Land, so hoch sei, daß Penguin Random House, die Muttergesellschaft von Crown, in Deutschland 1,5 Millionen Exemplare gedruckt habe, die auf Frachtschiffen in die USA transportiert würden. Dies brachte Stephen Colbert zu folgender Einschätzung: »Aber…Mehr