Zulächeln

Ich stoße in Manfred Geiers Parallelbiographie auf einen Ausspruch Wittgensteins, der mit seiner poetischen Prägnanz auch in unserem Zeitalter der Fernliebehätte geäußert werden können: »Was ich gern hätte, wäre jemand, dem ich gelegentlich zulächeln könnte.« Während ich Bilder betrachte, in Erinnerungen schwelge oder schreibe, ertappe ich mich dabei, dem abwesenden Anderen zuzulächeln; doch es ist nicht dasselbe. Es ist ein Zulächeln, das verpufft, das sein Ziel verfehlt und im Einsamen verhallt. Dieses Zulächeln ist nur an mich gerichtet, es ist allein meine Reaktion, die ich allein mit mir teile, doch möchte ich nicht ausschließen, daß es den Fernen auch irgendwie trifft wie die Berührung eines vergessenen Traumes. Gelegentliches Zulächeln bedeutet: Ich bin noch da, es gibt mich noch, ich bin das Lächeln auf dem Weg zu dir.

Manfred Geier. Wittgenstein und Heidegger. Die letzten Philosophen. Rowohlt, 2017, p. 341.

Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim. Fernliebe. Lebensformen im globalen Zeitalter. Suhrkamp, 2011.

Unflexibel?

Die heutzutage schockierend anmutende Tatsache, daß Kant von seinen 80 Lebensjahren ganze 74 in Königsberg und die restlichen sechs als Hauslehrer in der ostpreußischen Provinz verbracht hat, beweist, daß physische Unbeweglichkeit nicht mit geistiger gleichzusetzen ist. Ein rezentes und krasses Beispiel ist an der Person Stephen Hawkings festzumachen.

Manfred Geier. Aufklärung. Das europäische Projekt. 3. Aufl. Rowohlt, 2012, p. 246.

Lächeln

Finde in Manfred Geiers Aufklärungsbuch den hintersinnigen Satz: »Durch Shaftesbury lernt die Philosophie der Aufklärung zu lächeln.« Hintersinnig deshalb, weil es sich hierbei nicht um ein harmloses Mona-Lisa-Lächeln handelt, sondern vielmehr um eines, das Zähne zeigt.

Manfred Geier. Aufklärung. Das europäische Projekt. 3. Aufl. Rowohlt, 2012, p. 73.