Im Tränen-Reich

»Wenn mir so viele Weisen des Weinens zur Verfügung stehen«, schreibt Roland Barthes in seinen Fragmenten einer Sprache der Liebe, »so wahrscheinlich deshalb, weil ich mich, wenn ich weine, stets an jemanden wende und der Empfänger meiner Tränen nicht immer derselbe ist: ich passe meine Arten des Weinens dem Typus von Erpressung an, die ich … Weiterlesen Im Tränen-Reich

Halbe Sachen

Ich finde im Mann ohne Eigenschaften eine kluge und nüchterne Auslegung des bei Platon überlieferten Kugelmenschen-Mythos (symp. 189a1-193e2). Nachdem sich Agathe gefragt hat, warum es so schwer sei, die beiden zu- und ineinander passenden Menschenhälften wiederzuvereinigen, die Zeus geteilt und dadurch geschwächt hatte, antwortet ihr Bruder Ulrich: »Kein Mensch weiß doch, welche von den vielen … Weiterlesen Halbe Sachen

Arbeit am Mythos

Die Diskussion um Biotechnologie und Künstliche Intelligenz erweist sich mit Blick auf die alten Griechen als Schnee von gestern: »Medea’s ram and lamb are the ancestors of Dolly, the first genetically engineered sheep, which emerged from a cloning experiment in 1997.« Der Kampf gegen Sterblichkeit, Verfall und Alter verlagert sich vom Epos zum Ethos. Adrienne … Weiterlesen Arbeit am Mythos

An immortal quintessence of dust. Vor 40 Jahren starb Nick Drake

»Lyrisch sein«, so schreibt der junge E. M. Cioran in seinem 1934 erschienenen Buch Auf den Gipfeln der Verzweiflung [Pe culmile disperării], »bedeutet, nicht in sich selbst verschlossen bleiben können.« Denke ich an Nick Drake, an sein viel zu kurzes Leben, aber vor allem an die Lyrizität seiner wie auf Wolken dahingleitenden Songs, bin ich froh, daß … Weiterlesen An immortal quintessence of dust. Vor 40 Jahren starb Nick Drake