Mens sana in corpore sano

Im Jahre 1701 hielt der Helmstädter Mediziner Friedrich Schrader (1657-1704) eine Disputation über die fragile Professorengesundheit ab. Wer meine, Geistesarbeiter seien vor körperlicher Abnutzung gefeit, der lese die folgenden Zeilen: »Durch das beständige Sitzen und den Bewegungsmangel werden die Körperausscheidungen zurückgehalten, ein Fehler[,] den die Gelehrten ohnehin häufig durch geistige Abwesenheit begingen. Weil Gelehrte oft die Mahlzeiten vergessen und keinen Appetit verspüren, ist auch das Nahrungsangebot für den Körper zu niedrig. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Nachtarbeit, die die spiritus [Lebensgeister] verringere und nicht durch Schlafen am Tag zu kompensieren sei. Auch die Augen nehmen hierdurch Schaden, denn sie benötigen zum Funktionieren, die visorii spiritus. Das Austrocknen der Augen und nachlassende Sehschärfe seien die Folgen.« Das Leben im Denkkerker erscheint auf einmal als Hochrisiko-Existenz.

Hartmut Beyer. »Theorie der Lebensgeister. Professorenleiden in der Frühen Neuzeit.« Zeitschrift für Ideengeschichte, Heft X/4, Winter 2016, pp. 81-92.

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