Eleanor Rigbys stolze Schwester

Man merkt es dem Song nicht an, aber er wurde unter Zeit- und Geldnot produziert, und zwar in Studio 2 der Abbey Road, das noch mit Instrumenten und Gadgets der Beatles gefüllt war: »A Rose for Emily« der Zombies ist eine Elegie für junge und alte Liebende Als man Mitte der achtziger Jahre auf dem…Mehr

Oktober 2021 – Meine Leseliste

[1]Mathias Brodkorb. »Rassistischer Reis.« Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2021, https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/die-theorie-der-kulturellen-aneignung-fuehrt-zum-voelkischen-denken-zurueck-17558262.html?premium. [2]Sibylle Anderl, Michael Hanfeld und Joachim Müller-Jung. »Ein Kessel Schwurbel.« Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2021, https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/kuenstler-aeussern-kritik-an-corona-politik-mit-allesaufdentisch-17563403.html?premium. [3]James Plunkett. »Email: the worst form of communication yet devised by humankind?« Prospect, September 28, 2021, https://www.prospectmagazine.co.uk/society-and-culture/email-the-worst-form-of-communication-yet-devised-by-humankind. [4]Alex Marshall. »A Year in the Life: Who Gets a Master’s Degree in the…Mehr

Anatomie der Melancholie

Der klassische Philologe Gregory Hays gibt in einer Rezension dreier Titel zum Thema Depression einen konzisen Überblick über die mannigfaltigen Ursachen der Melancholie, die Robert Burton (1577–1640), anglikanischer Geistlicher, Gelehrter und Bibliothekar am Christ Church College in Oxford, in seinem erstmals 1621 unter dem Pseudonym »Democritus Junior« erschienenen Hauptwerk The Anatomy of Melancholy, What it…Mehr

Von Selbstzweifeln zur Selbsthistorisierung

In der aktuellen Ausgabe von Sinn und Form findet sich ein berührender Beitrag Ernst Osterkamps, in dem der emeritierte Literaturwissenschaftler und -kritiker melancholisch wie begeistert zurückblickt auf die Zeit seines Studiums und der zweijährigen Arbeit an seiner komparatistischen Dissertation über Luzifer. Stationen eines Motivs an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster von 1968 bis 1977. Ausgangspunkt dieser…Mehr

September 2021 – Meine Leseliste

[1]Helmut Mayer. »Durch das Deutschland der Kriegsjahre.« Rezension zu Im Rachen des Wolfes. Meine Jugend in Nazideutschland, von Monique Lévi-Strauss. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.08.2021, https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/monique-levi-strauss-im-rachen-des-wolfes-das-deutschland-der-kriegsjahre-17473806.html. [2]Dwight Garner. »Colm Toibin’s ›The Magician‹ Intimately Recaptures a Literary Giant.« Rezension zu The Magician, von Colm Tóibín. The New York Times, Aug. 31, 2021, https://www.nytimes.com/2021/08/31/books/review-magician-colm-toibin.html. [3]Anne Applebaum. »The New…Mehr

Geliebter Staub

Ein unterhaltsamer und ausgewogen erzählender Essay im Guardian weiß nicht nur Hintergründiges und Persönliches über den 1954 in Montreal geborenen Kognitionswissenschaftler Steven Pinker zu berichten – etwa daß er Classic Rock liebe und das Abschiedskonzert The Last Waltz der kanadischen Rockband The Band mindestens ein Dutzend Mal gesehen habe –; es gibt auch berührende und…Mehr

Denn Blumenberg ist ein anderer: Von Löwen und Menschen (revisited)

Heute vor zehn Jahren, am 28. September 2011, besuchten Kristy Husz und ich die Blumenberg-Lesung Sibylle Lewitscharoffs in der Stadtbücherei Münster. Grund genug, den Text, den wir über diese Veranstaltung drei Tage später bei carnival of lights veröffentlicht haben, nun zum 10. Jahrestag im Denkkerker unverändert wiederzugeben, allerdings ergänzt um weitere Abbildungen, die Transkription eines…Mehr

Zeitüberfluß

Ein besonders humorvolles Beispiel, in einer Situation, in der mehr Zeit zur Verfügung steht, als gedacht, mit einem Mehr oder Zuviel an Zeit umzugehen, gibt der vorgestern im Alter von 61 Jahren an Leukämie verstorbene kanadische Stand-Up-Comedian Norm Macdonald. Er war berühmt dafür, mäandernde und verwirrende Geschichten mit teils abstrusen, kitschigen oder auch bitterbösen Pointen…Mehr

Heimsuchung vom jugendlichen Ich

Die US-amerikanische Historikerin und Journalistin Anne Applebaum begibt sich in einem lesenswerten Beitrag für die September-Ausgabe von The Atlantic in den Kaninchenbau der immer grotesker werdenden und immer besorgniserregendere Ausmaße annehmenden sozial-aktivistischen Bewegungen zwischen cancel culture und political correctness, deren Vertreter sie als »Neue Puritaner« bezeichnet. Sie schreibt: Die Tadelsüchtigkeit [censoriousness], das meidende, ausweichende Verhalten…Mehr

August 2021 – Meine Leseliste

[1]»Annalena Baerbock für geschlechtergerechte Gesetzestexte.« Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.2021, https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/annalena-baerbock-fuer-geschlechtergerechte-gesetzestexte-17463972.html. [2]Michael Hofmann. »Heine’s Heartmobile.« Rezension zu Heinrich Heine: Writing the Revolution, von George Prochnik. The New York Review of Books, vol. LXVIII, no. 12, July 22, 2021, pp. 42-4. [3]Neal Ascherson. »Into the Wrecks.« Rezension zu War at Sea: A Shipwrecked History from Antiquity to…Mehr

Nemesis

Nemesis (Νέμεσις), so erfährt man aus dem Kleinen Pauly, ist »das zur Augenblicksgottheit anthropomorphisierte dämon[ische] Schicksalswalten«; eine »Zuweiserin, Vergelterin […] Straferin und Rächerin«. Sie ist die »[m]ytholog[ische] Tochter der Nyx [Νύξ, die Göttin der Nacht] und des Okeanos [Ὠκεανός, der Gott eines die Welt umfließenden Stromes]«. Das Gründliche mythologische Lexikon des Rektors und Altertumsforschers Benjamin…Mehr

Adorno und die Beatles

In einer Rezension im New Statesman entdecke ich eine verblüffende Verschwörungsideologie, die sich hinsichtlich des atemberaubenden Erfindungsreichtums nicht hinter rezenten Manifestationen verstecken muß: Im Jahr 2010 schrieb Fidel Castro, daß die im Exil lebenden marxistischen Akademiker in den 1950er Jahren mit der Rockefeller-Familie zusammenarbeiteten, um Bewußtseinskontrolle zu entwickeln und Rockmusik als neues Opium für die…Mehr

Im Westen was Neues

Assoziationsräume kontinentaler Dimensionen taten sich auf, als ich kürzlich über einen unscheinbaren Druckfehler stolperte. Im Habermas-Themenheft der Zeitschrift für Ideengeschichte findet sich der folgende Satz: Die Strauss’sche Pointe erinnert an ein Bonmot des Habermas-Schülers Claus Offe zur Zeit des Mauerfalls, nachdem es für den Western nun darauf ankäme – nicht nur besser, sondern gut zu…Mehr

Von temporalen und Identitätsumwidmungen

Am 7. August 2021 um 19:46 Uhr fügte FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube alias »Grammaticus« einen Kommentar unter einen intellektuell anspruchsvollen und ansprechenden Beitrag seines Kölner Feuilletonkorrespondenten Patrick Bahners an, der sich mit einer Widmung Carl Schmitts an Ernst Jünger auseinandersetzt. Kaubes Kommentar, der sich nicht auf den Inhalt des Textes bezieht, ist mit »Apropos Fehler« betitelt…Mehr

Juli 2021 – Meine Leseliste

[1]Mike Peterson. »World Wide Web source code NFT sells at auction for $5.4 million.« AppleInsider, Jun 30, 2021, https://appleinsider.com/articles/21/06/30/world-wide-web-source-code-nft-sells-at-auction-for-54-million. [2]»Früherer US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ist tot.« Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.06.2021, https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/frueherer-us-verteidigungsminister-donald-rumsfeld-ist-tot-17416240.html. [3]Joachim Müller-Jung. »Nicht ›nur‹ eine Grippe.« Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.06.2021, https://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/warum-corona-im-vergleich-mit-der-grippe-gefaehrlicher-ist-17412542.html. [4]Michael Scheppe. »15 Prozent mehr Stellenausschreibungen als vor Corona: Wen die Firmen jetzt suchen.«…Mehr

Kein Lärm um nichts

Heute vor zehn Jahren, am 23. Juli 2011, druckte die Samstagsausgabe der seit 1849 erscheinenden und im mittelfränkischen Gunzenhausen ansässigen Tageszeitung Altmühl-Bote auf Seite 4 den folgenden Leserbrief ab: Ein lauer Sommerabend mit einer spritzigen Shakespeare-Komödie vor der wunderschönen Kulisse des Dennenloher Schlosses und Rhododendronparks? Mitnichten. Zumindest die Stunde vor Vorstellungsbeginn glich eher einem Trauerspiel.Zuerst…Mehr

Bootlegs und Wheelchairs

Ich erfahre aus dem Rolling Stone Magazine von der Existenz und der kreativen Pionierleistung des 1994 verstorbenen Mike »The Mic« Millard: Er benutzte einen gefälschten Rollstuhl, um ein Nakamichi-550-Tonbandgerät in die Shows der siebziger und achtziger Jahre im Los Angeles Forum zu schmuggeln. Wenn die Lichter ausgingen, verband er das Gerät mit Mikrophonen, die an…Mehr

Selbstkasteiungen eines Kritikers

Hinsichtlich fehlender Ironie und überbordendem »Identitätskitsch« in der heutigen Literatur, ersinnt der Klagenfurter Juror Philipp Tingler in einem Beitrag für die NZZ zwei Arten der Selbstkasteiung, die seinen Schmerz ob dieses Mangels und jener Entwicklung weniger gravierend erscheinen lassen sollen. Die äußerliche Selbstkasteiung: Seit zwei Jahren sitze ich in der Jury des Bachmann-Preises, und manchmal…Mehr

Juni 2021 – Meine Leseliste

[1]Tina Jordan. »A History of the Book Review Through Its Fonts.« The New York Times, May 28, 2021, https://www.nytimes.com/2021/05/28/books/a-history-of-the-book-review-through-its-fonts.html. [2]Matthew Futterman. »What Has Happened to Dominic Thiem? He Has No Idea.« The New York Times, May 30, 2021, https://www.nytimes.com/2021/05/30/sports/french-open-dominic-thiem.html. [3]Kurt Streeter. »The First of Nadal’s 100 French Open Victims Has His Say.« The New York…Mehr

Staubige Entropie

Einem bereits 2014 ausgestrahlten und am vergangenen Sonntag wiederholten Beitrag im Deutschlandfunk entnehme ich die so augenöffnende wie triviale Feststellung: Staub ist der sinnentleerte Rest von allem. Ein Pullover flust, aber eine Fluse pullovert nicht. Mit anderen Worten: Die Entropie hat eine unumkehrbare Richtung so wie der Zeitpfeil. Am Ende erwartet uns immer Staub. Man…Mehr