Steve Jobs‘ 8-Spur-Kassetten
Im Rahmen der vom 6. bis zum 29. Januar 2026 laufenden Auktion »Steve Jobs & the Computer Revolution: The Apple 50th Anniversary Auction werden Exponate aus der Frühzeit von Apple, die mit Steve Jobs assoziiert sind, angeboten, die weniger Alltagsgegenstände als vielmehr historisch kontextualisierte Objekte sind, die in der Sammlerwelt aufgrund ihrer Provenienz und ihres Bezugs zu einer prägenden Persönlichkeit der Technikgeschichte begehrt sind.
Neben eher persönlichen Memorabilia wie Schreibtischunterlagen, Notizheften oder Kleidungsstücken finden sich auch historisch relevante Dokumente oder Computer-Prototypen im Angebot des Auktionshauses RR Auction. Mein Interesse erregte das Los 6009: »Steve Jobs’ persönliche 8-Spur-Kassetten von Bob Dylan und Joan Baez (6)«.
Lot #6009: Steve Jobs’s Personally-Owned Bob Dylan and Joan Baez 8-Track Tapes, RR Auction, 2026
Dem erklärenden Begleittext kann man entnehmen, daß es sich hierbei um sechs persönlich von Steve Jobs besessene 8-Spur-Musikkassetten handele; fünf der Kassetten enthielten Alben von Bob Dylan (Highway 61 Revisited, Blonde on Blonde, John Wesley Harding, Blood on the Tracks, Desire), eine Diamonds & Rust von Joan Baez. Die Bänder seien aus dem Kleiderschrank seines Jugendzimmers geborgen worden und zeigten deutliche Gebrauchsspuren, seien jedoch insgesamt in gutem bis sehr gutem Erhaltungszustand.
Ich muß gestehen, daß mir »8-Spur-Kassetten« oder »Stereo 8« völlig unbekannt waren. Eine oberflächliche Internetrecherche förderte zutage, daß diese magnetbandbasierten Tonträgermedien in den 1960er- und 1970er-Jahren weit verbreitet gewesen waren. Sie wurden 1964 von der Firma Lear Jet Corporation (später in Lear Siegler umbenannt) eingeführt und sind insbesondere in den USA und Kanada populär gewesen. Interessant ist, daß diese endlosen Schleifenbänder in speziellen Abspielgeräten verwendet wurden, die in Autos, tragbaren Geräten und stationären Anlagen eingebaut waren. Die Beliebtheit innerhalb der US-Automobilbranche rührte daher, daß die einfach zu bedienenden Tonträger robust waren und mit etwa 45 bis 60, teilweise sogar bis 80 Minuten pro Kassette eine längere Spieldauer als Schallplatten boten. Allerdings mußten Einbußen bei der Klangqualität hingenommen werden. Letztlich verschwand das 8-Spur-Format in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren mit dem Aufstieg der Compact-Kassette und später der CD zunehmend vom Markt.
Als Manifestation und zugleich auch als Symbol für die frühe Phase des mobilen Musikkonsums steht das 8-Spur-System daher nicht nur als Vorläufer des Walkman; es erscheint auch als analoger Verwandter des iPod, einem tragbaren digitalen Medienabspielgerät, das Apple zwischen 2001 und 2022 produzierte. Da die Jobs-Auktion auch iPods in unterschiedlichen Varianten anbietet, schließt sich hier ein audiotechnischer Kreis. Doch noch ein weiterer, eher persönlicher Kreis wird deutlich: Nicht nur spielte die Musik Dylans und in der Folge auch Baez’ eine prägende Rolle in Steve Jobs’ Leben und in der frühen Apple-Kultur; es gibt auch eine ganz intime Verbindung.
Im 20. Kapitel von Walter Isaacsons 2011 publizierter Steve-Jobs-Biographie, das mit »Ein gemachter Mann: Love Is Just a Four Letter Word« betitelt ist, heißt es:
Jobs arbeitete noch am Macintosh, als er 1982 die berühmte Folksängerin Joan Baez über die Bekanntschaft mit deren Schwester Mimi Fariña kennenlernte. Diese leitete eine Wohltätigkeitsorganisation, die Computerspenden für Gefängnisse sammelte. Ein paar Wochen später traf er sich mit Baez zum Mittagessen in Cupertino. »Ich kam ohne große Erwartungen, aber sie war wirklich klug und witzig«, erinnerte er sich. Damals stand seine Beziehung mit Barbara Jasinski kurz vor dem Aus. Sie hatten ihre Urlaube auf Hawaii verbracht, gemeinsam in einem Haus in den Bergen von Santa Cruz gewohnt und sogar eines der Konzerte von Joan Baez zusammen besucht. Als die Geschichte mit Jasinski endgültig der Vergangenheit angehörte, begann Jobs, sich ernsthaft auf Baez einzulassen. Er war 27 und Baez 41, aber für ein paar Jahre hatten sie eine Romanze. »Das Ganze entwickelte sich zu einer ernsthaften Beziehung zwischen zwei Leuten, die durch Zufall Freunde und dann Liebende wurden«, erinnerte sich Jobs mit einem etwas wehmütigen Unterton. Elizabeth Holmes, eine Freundin von Jobs aus den Tagen am Reed College, sah seine Hinwendung zu Baez – einmal abgesehen von der Tatsache, dass sie attraktiv, humorvoll und talentiert war – darin begründet, dass sie einst die Geliebte Bob Dylans gewesen war. »Steve bedeutete diese Verbindung zu Dylan sehr viel«, sagte sie später. Baez und Dylan waren in den frühen sechziger Jahren ein Paar und gingen später als Freunde zusammen auf Tournee; so waren sie etwa Teil der Musikergruppe auf der Rolling Thunder Revue im Jahr 1975 (von deren Konzerten sich Jobs Raubkopien besorgt hatte).
Und genau diese Geschichten sind es, die man bei Auktionen immer auch mitersteigert.